Rezepte,  zufällig vegan

Veganes Paprika-Gulasch

Vor wenigen Wochen hat der Lieblingssohn beschlossen, fortan vegan zu leben. Ich habe das hier schon kurz erwähnt. Lustigerweise sieht der Sohn eigentlich so aus, als würde er schon seit 10 Jahren vegan leben, und wer ihn neu kennenlernte, nahm sofort an, dass er bestimmt Veganer sei. War er aber nicht. Er hat sowohl die Schulzeit als auch sein Studentenleben Fleisch essend hinter sich gebracht. Er freute sich, wenn Oma zum Sauerbraten einlud oder wenn ich eine Hühnersuppe oder ein Boeuf Bourguignon kochte. Jetzt, wo er bald ein alter Mann ist (okay, ich übertreibe), hat er sich aus ethisch-moralischen Gründen und um die Umwelt zu schützen gegen Fleisch entschieden. Ohne den Umweg über den Vegetarismus zu nehmen. Wenn schon, denn schon.

Anfangs verkündete der Sohn, ab und zu bei besonderen Gelegenheiten eine Ausnahme machen zu wollen. Ich glaube, ich würde ständig gute Gründe für eine Ausnahme finden – er ist da erstaunlich konsequent. Das stellt mich als Mutter natürlich vor die Herausforderung, meinen veganen Horizont zu erweitern. Was ich zugegebenermaßen ganz spannend finde. Ich koche ja eh schon viel (zu viel, wie der beste Mann von allen einwerfen würde) vegetarisch und ersetze oft Milch oder Sahne durch entsprechende Hafer-Produkte. Bei veganer Kost muss ich als Ungeübte aber doch noch manchmal überlegen, ob das jetzt auch wirklich vegan ist. So habe ich Weihnachten etwa vegane „Chicken“-Nuggets mit Ghee angebraten und hatte sofort die mahnende Stimme des Sohnes hinter mir: „Ghee ist aber nicht vegan!“. Upsi, stimmt! Er hat sie dann aber trotzdem gegessen.

Dieses vegane Paprika-Gulasch habe ich allerdings gar nicht für den Sohn gekocht; es stand schon eine ganze Weile auf meiner To-do-Liste. Einfach nur so, weil ich neugierig bin und immer Lust habe, neue Dinge auszuprobieren. Könnte ja aufregend sein. Dem Mann habe ich das wohlweislich verschwiegen… An dem Abend, an dem es das vegane Gulasch gab, kam er dreimal in die Küche und war ganz begeistert, wie gut das da roch. Und was es wohl gibt? Ich habe ihn jedesmal verscheucht und das Geheimnis erst gelüftet, als die duftende Pfanne schon auf dem Tisch stand. Und weißt Du was? Er fand es gut! Richtig gut! Er hat freiwillig nachgenommen und die Reste bereitwillig zwei Tage später nochmal gegessen! Das hätte ich gar nicht zu hoffen gewagt…

Grundsätzlich finde ich ja Veganismus ohne Ersatzprodukte, die so tun, als wären sie aus Fleisch, besser. Wenn man sich die Zutatenliste auf vielen dieser Ersatzprodukte durchliest, klingt das wie die Bestandteile eines Chemiebaukastens. Man kann doch einfach Gemüse essen? In der klassischen deutschen Küche wird Gemüse leider oft zur Beilage degradiert, aber inzwischen sollte hinlänglich bekannt sein, dass da mehr geht. Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass Veganer oder Vegetarier vielleicht die Konsistenz oder einfach nur die Idee von Fleisch vermissen. Hier finde ich Produkte aus Soja super. Soja-Hack oder Soja-Schnetzel bestehen zu 100% aus Sojabohnen. Und sind, wenn man die dann noch im Bioladen oder Reformhaus kauft, nicht genmanipuliert.

Also, tu was für die Umwelt, mach Deine veganen Kinder glücklich und iss dabei etwas richtig Leckeres – trau Dich und koch einfach mal dieses wunderbar herzhafte und vegane Paprika-Gulasch! Das Rezept ist für 4 Personen, wir haben zweimal davon gegessen.

Man nehme

  • 150g getrocknete Soja-Schnetzel (kein Hack, Du brauchst grobe Stücke)
  • 265 ml heißes Wasser
  • 6 EL Tamari (oder andere Sojasauce)
  • 1 große Zwiebel, gehackt
  • 1 EL Rapsöl oder Kokosöl
  • je 1 rote und 1 gelbe Paprikaschote, in Streifen geschnitten
  • 3 EL Tomatenmark
  • 1 TL Paprikapulver edelsüß
  • 1/2 TL Paprikapulver scharf
  • ca. 500 ml Wasser + 2 TL Suppenpaste für Gemüsebrühe
  • 1 kleine Dose ganze Tomaten
  • 3 mittelgroße saure Gurken in 1 cm breiten Scheiben
  • Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1 Prise Zucker
  • Kartoffeln als Beilage

So geht‘s

Weiche die Soja-Schnetzel in einer Schüssel in dem mit Tamari vermischten heißen Wasser ein. (Bitte lies die Anleitung auf der Rückseite Deiner Packung. Es mag sein, dass die Menge der benötigten Flüssigkeit je nach Hersteller variiert!) Rühre zwischendurch ein paarmal gut um; die Stücke saugen die Flüssigkeit komplett auf. Alles sollte gleichmäßig durchfeuchtet sein.

Zerlasse in einer großen Pfanne (zu der Du einen Deckel hast) das Öl und brate die Soja-Schnetzel bei hoher Temperatur kurz und kräftig an. Schalte die Temperatur runter, gib die Zwiebel zu und brate sie an, bis sie weich und goldfarben wird. Füge dann die Paprikastreifen zu und brate alles zusammen noch weitere zwei, drei Minuten.

Jetzt kommen Tomatenmark und die beiden Paprikapulver dazu, die Du unter Rühren kurz anröstest. Dann gib die grob zerkleinerten Dosentomaten mit der gesamten Flüssigkeit und die Gemüsebrühe mit in die Pfanne und lege den Deckel auf. Lass alles gut 20 Minuten köcheln.

In der Zwischenzeit nicht vergessen, die Kartoffeln aufzusetzen!

Zum Ende der Garzeit gibst Du dann die in Scheiben geschnittenen sauren Gurken zu und lässt sie noch ein paar Minuten in der Sauce ziehen. Mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken.

Falls Dir die Sauce etwas zu dünn sein sollte, kannst Du sie mit ein bisschen Speisestärke binden. Ich fand das unnötig und habe darauf verzichtet.

Lass es Dir schmecken!

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8 Comments

  • Amalie

    Bin immer auf der Suche nach veganen, na ja wohl eher vor allem vegetarischen Rezepten, da das im Amalienwohnzimmer-Haushalt irgendwie leider immer noch ein bisschen mühsam ist und man immer wieder in Versuchung gerät fleischliche Zutaten den Gerichten hinzu zu fügen. Auch wenn diese Bestandteile in der Tat immer weniger werden. Prima.. jetzt versuchen wir bestimmt mal demnächst Dein veganes Paprika-Gulasch aus. Ist schon vorgemerkt. ❤️lichen Dank und Liebe Grüße an Dich,
    Amalie

    • Odette

      Das freut mich sehr, liebe Amalie! 💝 Und ja, ich verstehe Deine Schwierigkeiten. Ich bin in dem Glauben großgeworden, dass zu einer vollständigen Mahlzeit Fleisch, Gemüse und Kartoffeln gehören. Und habe eine ganze Weile gebraucht um zu verstehen, dass auch nur Gemüse eine komplette Mahlzeit sein kann. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, noch Dinge ergänzen zu müssen, damit das ein “richtiges” Essen wird. 💁🏻‍♀️ Aber inzwischen koche ich ja überwiegend vegetarisch und manchmal eben auch vegan. Man groovt sich da ja mit der Zeit ein! 😄

  • Günter

    Dein Ausflug in die vegane Küche klingt ja nicht schlecht! Das würde bei uns auch locker durchgehen, obwohl der Sohnemann (noch🤣) kein Veganer ist. Mir geht es mit den „Ersatzprodukten“ gleich wie dir, aber wenn man darauf verichtet, dann kann ich mir das zwischendurch😅 gut vorstellen. Ich hätte aber wahrscheinlich die gleichen Probleme und müsste auch erst nachdenken, was jetzt alles nicht vegan ist.😉

    • Odette

      Bei dem Wort „vegan“ schwingt immer noch so ein bisschen das Gefühl von Mangel (nämlich an Fleisch, Fisch oder Milchprodukten) mit. Das dass nicht immer so sein muss, finde ich ganz spannend zu beweisen. Natürlich sind Ersatzprodukte eben Ersatzprodukte. Aber wenn diese nicht gerade zu den industriell hoch verarbeiteten Produkten zählen, kann man das ja ruhig mal machen. Und hier folgen sicher noch andere vegane Gerichte, bei denen auch eingefleischte Carnivoren (😜🤣) hoffentlich nichts vermissen!

  • Claudia

    Du kennst mich und mein Essverhalten, ich werde „uns“ nie auch nur ansatzweise vegan ernähren, dann hätt ich meine Hühner ja total umsonst und wenn alle Eier zu Küken ausgebrütet würden, dann wäre die Welt bald überbehuhnt, da ein Durchschnittshuhn jeden zweiten/dritten Tag ihren Eisprung hat, und es ja auch nicht „bei sich“ halten kann, nur weil wir auf einmal alle keine Eier mehr essen möchten 😉 Ist doch auch mal eine nette Erklärung. Aber ich bin durch die eigenen Hühner definitiv noch bewusster geworden, beim Einkauf von Fleischprodukten und bei der Verwendung der Eier meiner Huhns. Ich bin jeden Tag dankbar für jedes einzelne ei und versuche, eine liebevolle Hühnermama zu sein. Wir essen tatsächlich nicht viel Fleisch und wenn ich dann vegatarisch koche, dann bewusst ohne etwas, das wie Fleisch aussieht.
    Aber ich kann deinen Eifer und dein Interesse, vegan zu kochen, und auch deine Begeisterung über das Gelingen und den Geschmack absolut verstehen. Das Leben in der Küche kann einfach so spannend und berauschend sein 💛

    • Odette

      Keine Sorge, dies hier wird auch ganz sicher kein veganer Blog. Dazu esse ich viel zu gerne. Und würde zu viele Lebensmittel schmerzlich vermissen. Eier zum Beispiel! 😉 Trotzdem finde ich das Thema super spannend und es eröffnet auf jeden Fall neue Horizonte. Ob der Sohn dabei bleibt und wie konsequent er das letztendlich durchzieht, wird die Zeit zeigen. Klar ist, es gibt viele Möglichkeiten, auch ohne Ersatzprodukte vegan zu kochen.

  • Ulrike Cantzler

    Dankeschön für das tolle Rezept. Es geht mir genau wie Dir… schwuppdiwupp hatte ich einen „veganen“ Sohn, und ehemalige Lieblingsgerichte, mit denen ich immer punkten, bestechen und versöhnen konnte, entfallen nun. Versuche, Fleischliches vegan umzubasteln sind nicht immer von Erfolg gekrönt (außer meine Sauerbratensauce ohne Fleischverwendung und Ersatzprodukte … die wird vom Sohn begeistert fast wie Suppe gelöffelt). Ich bin froh über jedes bereits von jemanden erprobte Rezept. Bei Dir kann ich sicher sein: es schmeckt!

    • Odette

      Ach Uli, wie lustig! Da weißt Du ja, wovon ich spreche… Wie machst Du denn Sauerbratensauce ohne Fleisch? Das würde mich wirklich interessieren! Wenn Du magst, schick mir doch das Rezept mal per Mail! 😃🙏🏻

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