Monatsrückblick

Monatsrückblick: Bye bye September

Blick über den Fluss Rhône auf die Stadt Avignon in der Provence. Man sieht die sandfarbene Stadtmauer und den herausragenden Papstpalast, eingerahmt von grünen Bäumen.
Blick auf Avignon in der Dämmerung, den Campingplatz im Rücken

Der September war ein toller Monat, denn wir waren im Urlaub! Nach langen Überlegungen und allen Bedenken zum Trotz (Hochrisikogebiet, Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, Inzidenzen von um die 420) haben wir es gewagt und sind mit der Kuschelbude in die Provence gefahren. Vollständig geimpft fühlten wir uns todesmutig; schließlich findet Camping an der frischen Luft statt und auf unserem Campingplatz vor den Toren von Avignon sind selbst die sanitären Anlagen „open air“. Wie bei uns in Deutschland, gibt es auch in Frankreich eine Maskenpflicht beim Einkauf. Und man muss bei Restaurantbesuchen seinen Impfnachweis vorzeigen, egal ob man drinnen oder draußen sitzen möchte. Also was sollte passieren? Es war die beste Entscheidung seit Langem!

Avignon ist einer unserer dauerhaften Sehnsuchtsorte. Wir sind da irgendwann eher zufällig auf der Durchreise nach Nordspanien für eine Zwischenübernachtung gelandet, als die Kinder noch Kinder waren. Und sind seitdem schon mindestens 10 Mal dort gewesen. Meistens im Frühsommer, nur ein oder zweimal im Herbst. Aber der September eignet sich ebenfalls ganz hervorragend, um dort Urlaub zu machen. Die Landschaft in der Provence ist auch am Ende des Sommers nicht staubig und verbrannt, wie man das von anderen südlichen Gefilden kennt, sondern immer noch grün und schön. Und das Licht ist golden.

Es gibt vor den Toren der Stadt einen großartigen Campingplatz auf einer Insel in der Rhône, mit Blick auf Avignon und den Papstpalast und auf Pont Bénézet (genau, die „Sur le Pont d’Avignon, on y danse“… la, la, la -Brücke). Man campt also idyllisch im Grünen und kann zu Fuß in die Stadt rüber laufen (über eine andere Brücke, bei der nicht die Hälfte fehlt) oder mit der kostenlosen kleinen Fähre, die von morgens bis abends hin- und herfährt, übersetzen. Die Sanitäranlagen des Campingplatzes sind leider nicht so herausragend wie die Lage, aber für 2 Wochen Urlaub völlig okay. Es gibt einen Pool, eine Bar (die wir nie nutzen) und einen kleinen überteuerten Laden mit dem Notwendigsten.

Es war übrigens der erste Urlaub mit unserer im letzten Herbst renovierten Kuschelbude. Das hat sich ganz toll und wirklich neu angefühlt. Wir haben das alte Schätzchen nämlich von innen weiß gestrichen, ein paar sinnvolle Ein- und Umbauten vorgenommen und ein bisschen Deko-Schnickschnack ergänzt. Gut, der beste Mann von allen fremdelt mit den Wimpeln (Kirmes, sagt er), aber mich machen die ganz fröhlich. Und guck mal, wie schön das innen geworden ist:

VORHER:

NACHHER:

VORHER:

NACHHER:

Avignon selbst ist übrigens nicht nur eine super schöne Stadt, in der man wunderbar seine Zeit verbringen kann, sondern auch ein perfekter Standort, um Ausflüge in die Provence zu unternehmen. Die Lage ist so zentral, dass man sternförmig schöne Tagesausflüge machen kann. Und es gelingt uns nach all den Jahren immer noch, Neues zu entdecken und Orte zu besuchen, an denen wir vorher noch nicht waren. Und wir machen wirklich viele Ausflüge! Es gibt interessante Städte ringsum, den Mont Ventoux, bezaubernde kleine Dörfer und jede Menge Sehenswürdigkeiten. Wir lieben es, über Land zu fahren und uns treiben zu lassen. Und dann die provençalischen Märkte! Die Supermärkte! Die Bäckereien und Patisserien! Das Essen in den Restaurants! Und der Wein!!! Seufz! Ich will zurück…

Falls Du jetzt Lust auf ein typisch provençalisches Essen hast, kann ich Dir mein Hähnchen in Pastis übrigens sehr empfehlen! *Zwinker*

Gelesen

Im Urlaub hat man ja ein bisschen Zeit zum Lesen, daher hab ich gleich zwei Bücher gelesen. Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells. Im Juli habe ich vom gleichen Autor das Buch Hardland gelesen und sehr empfohlen. Vom Ende der Einsamkeit ist meines Wissens nach das Buch, mit dem Benedict Wells groß rausgekommen ist. Ich wollte es immer lesen und kam nicht dazu. Jetzt ist es bereits 5 Jahre alt und wahrscheinlich bin ich die Letzte, die es noch nicht kannte. Es ist gut. Ich mag es, wie der Autor schreibt. Schöne Sätze formuliert. Trotzdem mochte ich die Geschichte von Hardland etwas lieber. Wenn Du also nur ein Buch des Autors lesen möchtest, dann lies das!

Das zweite Buch ist wieder eine große Empfehlung! Shuggie Bain von Douglas Stuart. Was für eine wunderbare und herzzerreißende Geschichte! Sie erzählt von dem Jungen Shuggie, der mit seiner alkoholabhängigen Mutter Agnes in einer deprimierenden Arbeitersiedlung im Dunstkreis von Glasgow in den 80er Jahren aufwächst. Sie leben von Sozialhilfe, die Agnes versäuft. Erst, um das Elend um sich herum ein bisschen bunter und fröhlicher zu machen und später, um ihren Kummer zu ertränken. Und als wären das nicht schon Probleme genug, ist Shuggie auch noch anders als andere Jungs. Er hasst Fußball und interessiert sich nicht für Mädchen. Er ist sensibel, spielt gerne mit Regenbogen-Ponys und die anderen Kinder in der Siedlung verhöhnen ihn als „scheiß Schwuchtel“. Und Shuggie liebt seine Mama. So sehr, dass er es sich über Jahre zur Lebensaufgabe macht, sie bestmöglich zu beschützen und die Hoffnung nicht aufgibt, sie zu retten. So begleitet man ihn durch wenige Höhen und viele Tiefen und am Ende… tja, das verrate ich nicht!

Auch wenn das nicht gerade nach einem Feel-good-Roman klingt, so ist es doch eine unglaublich berührende Geschichte, die ich wirklich verschlungen habe. Und ich liebe es, wie die Figuren im Buch Glasweger (so heißt das tatsächlich richtig, nicht etwa Glasgower) Slang sprechen. Das ist toll übersetzt und hat mir großen Spaß gemacht zu lesen.

Gesehen

Neben den üblichen Serien zwei tolle Filme: I Care a Lot, ist eine Geschichte über eine junge Frau, Marla (gespielt von Rosamund Pike, die bei den Golden Globe Awards 2021 eine Auszeichnung als beste Schauspielerin für diese Rolle erhalten hat), die sich mit großer Raffinesse als gerichtlich bestellte Betreuerin für gut betuchte Senioren ohne Familie einsetzen lässt, um diese dann nach Strich und Faden auszunehmen. Als sie sich als nächstes Opfer die vermeintlich alleinstehende Jennifer Peterson (Dianne Wiest) auswählt, gerät sie leider an die Falsche, denn Jennifer hat einen Sohn, der nicht so gerne persönlich in Erscheinung tritt und mit dem nicht gut Kirschen essen ist.

Der Film ist lustig, ganz schön böse und sehr spannend. Irgendwie konnte ich meine Sympathien nicht so klar verteilen. Ich wollte Jennifer aus dem Heim befreien, wünschte mir, dass ihr Sohn einen Weg findet, die gemeine Marla zu beseitigen und gleichzeitig war ich fasziniert, wie clever und völlig angstfrei Marla ihr Ziel verfolgt und ertappte mich dabei, ihr die Daumen zu drücken. Das Ende war dann übrigens wirklich überraschend! (Netflix)

Dann haben wir The United States vs Billie Holiday, eine Filmbiografie über die Jazzsängerin Billie Holiday, die ich sehr liebe, gesehen. Ihre Musik würde ich definitiv mit auf eine einsame Insel nehmen… Die Hauptrolle spielt die R&B Sängerin Andra Day (die ich auch sehr mag und die für diese Rolle immerhin für den Oscar nominiert war) und das tut sie fulminant. Sie kann nicht nur singen wie Billie Holiday, sie spielt diese nach außen starke, aber heroinabhängige und verletzliche Frau mit großer Wucht.

Die Handlung pendelt zwischen Wahrheit und Dichtung und es gibt durchaus Grund zur Kritik. Die Besprechung bei NDR Kultur formuliert sehr schön „[der] Film wirkt wie ein zu voll gestelltes Zimmer“ und ich wusste sofort, was gemeint war. Trotzdem ist die Darstellung von Andra Day so großartig, dass sich für mich jede Minute gelohnt hat. (Prime Video)

Gehört

Im September habe ich einen neuen Podcast für mich entdeckt: Lanz & Precht. Markus Lanz, der Journalist, und Richard David Precht, der Philosoph, diskutieren vor allem über Politik und die philosophischen Fragen, die dahinter stehen. Über Verantwortung und Überforderung, über die Verwendung von politisch korrekter Sprache in historischer Literatur (sollten die aus heutiger Sicht rassistischen Begriffe ausgetauscht werden?) und über Fragestellungen wie was ist Wahrheit, oder was macht Macht mit Menschen. Das ist super spannend und sehr unterhaltsam anzuhören. Ich bin ehrlich gesagt keine Freundin von politischen Talkrunden im Fernsehen, die gucke ich mir nie an. Aber die Betrachtungen von Lanz & Precht machen mir wirklich Spaß. Der Podcast hat erst Anfang September begonnen; es gibt also erst 5 Folgen und eine Sonderausgabe zur Bundestagswahl. (Spotify)

Neue Kochbücher

Bist Du noch da? Ich freue mich, wenn Du es bis hierhin geschafft hast und immer noch am Ball bist!

Aus dem Urlaub habe ich mir ein ganz großartiges und großformatiges Kochbuch mitgebracht. Es heißt schlicht Provence (Untertitel: Food trip ensoleillé en 100 recettes) und ist von Catherine Roig (Text) und Emanuela Cino (Fotos). Es ist natürlich auf Französisch, aber mein Französisch reicht glücklicherweise für Rezepte und die zugehörigen Texte. Das Buch stellt die verschiedenen Regionen der Provence vor und verschiedene Produzenten lokaler Köstlichkeiten (z.B. Olivenöl, Ziegenkäse, Honig). Dazu gibt es wunderschöne Bilder von Landschaften, Menschen und Tieren und natürlich den Gerichten. Alleine der Einband ist so toll gestaltet, dass ich das Buch einfach kaufen musste! Hier kannst Du es Dir anschauen. Es ist natürlich auch über Amazon erhältlich (was kann man da eigentlich nicht kaufen?), aber Amazon ließ mich das Suchergebnis nicht verlinken – Pech gehabt! (Hachette Cuisine heißt der Verlag)

Auch im September ging der Bücherflohmarkt der Neusser Stadtbibliothek weiter – wahrscheinlich verrate ich hier meinen größten Geheimtipp überhaupt… – und ein weiteres Buch fand auf wundersame Art und Weise den Weg in meinen Einkaufskorb.

Alle meine Hähnchen von Diana Henry. Die Autorin ist eine meiner liebsten Kochbuchautorinnen, ich habe mehrere Bücher von ihr, die ich regelmäßig zu Rate ziehe, wenn ich auf der Suche nach Inspirationen bin. Alle meine Hähnchen fehlte mir noch. Ich hatte es in der Buchhandlung natürlich schon in der Hand, aber wer bitte braucht ein Kochbuch nur mit Hähnchen-Rezepten? Wieviele Gerichte mit Hähnchen bereitet man im Jahr so zu, wenn man außerdem versucht, seinen Fleischkonsum zu reduzieren? Und braucht man dafür dann wirklich ein extra Kochbuch? Nein. Aber für nur 3,- € (in Worten drei (!) Euro) konnte ich es nicht liegen lassen. Und freue mich jetzt so, dass ich es habe. Ich habe gerade köstliches Hähnchen mit Lauch, Äpfeln und Apfelwein daraus gekocht und Gäste damit glücklich gemacht. Die Rezepte sind erstaunlich vielfältig und machen Lust, sie auszuprobieren. Es sind Gerichte für jeden Tag und jeden Anlass. Also ja, man braucht es möglicherweise doch, das Buch!

Dieser Beitrag enthält Marken-, Menschen-, Orts- und Produktnennungen sowie Verlinkungen. Dies gilt nach derzeitiger Rechtslage als Werbung und somit kennzeichne ich diesen Beitrag als WERBUNG. Dennoch gilt: Alle hier genannten Produkte, Marken, Menschen oder Orte sind als persönliche und unentgeltliche Empfehlung zu betrachten! Jede bezahlte Kooperation wird immer als solche gekennzeichnet.

2 Comments

  • Claudia

    Also ich fang mal hinten an: Möchtest du eine Patenschaft für meine Hühner übernehmen? Nachdem du nun ja sogar ein Kochbuch nur für Hähnchen-Rezepte hast, könnte ICH dich durchgehend mit „glücklichen Hühnern“ versorgen. Über die Patenschaftkosten können wir ja noch reden 😉 Außerdem fällt mir auf, dass alle deine Kochbücher – eigenartigerweise – 3€ kosten. Schön langsam fällt das auf 😉
    Die Provence lockt mich auch so sehr, aber ich war mit dem mittel-östlichen Norden Frankreichs 🤣 auch sehr sehr zufrieden 💛 aber ich erkenne immer mehr, dass wir beide schon gut miteinander „könnten“ … auf jeden Fall bestimmt essen ..Hähnchen hab ich ja genug 🤣🤣
    Ich liebe vorher-nachher Bilder … Die Bettwäsche hat sich sehr zum Vorteil verändert, ansonsten steh ich ja total auf Retro 🤣. Nachdem wir aber nun heuer auch „neu“ im Vergleich zu „alt“ ausprobieren konnten, kann ich deine Begeisterung absolut nachvollziehen. Es freut mich so, dass du eine so schöne Zeit hattest und dich auch in der französichen „küche und backstube“ verlieren könntet 💛

    • Odette

      Also eine Patenschaft für ein Huhn 🐓 fände ich durchaus interessant. Aber nur, wenn ich den Stall nicht saubermachen muss und die Eier bekomme. 😂 Und dass meine Kochbücher alle 3€ kosten, stimmt leider nicht. Aber die vom Bücherflohmarkt schon. Ich kann ja auch nix dafür, dass die Bibliothek ihre Preise so gestaltet. Und die Bücher sind natürlich alle mehr oder weniger gelesen und mit entsprechenden Gebrauchsspuren. Die muss man halt in Kauf nehmen, aber mich stört das nicht. 🙂
      Ich mag in Frankreich eigentlich alle Regionen (und ich bin da schon ziemlich rumgekommen!). Wir lieben die Normandie z.B. auch sehr. 🍎 Aber das ist natürlich eine ganz andere Klimazone mit einem anderen Charme.
      Freut mich riesig, dass Dir die Vorher/Nachher-Bilder gefallen haben. Ich liebe sowas auch und es zeigt die Veränderung so schön deutlich. Leider gibt es nicht so wahnsinnig viele Vorher-Bilder (ohne Familie drauf), weil es halt nie ein besonders attraktives Motiv war. 🙈 Ich bin so begeistert, was man mit einem (oder fünf…) Eimer Farbe so erreichen kann! Die beige Bettwäsche war in der braunen Vorher-Hölle stimmig, aber ich schlafe auch lieber in Weiß und Hellblau. 💙🤍🧡

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