Rezepte,  Vegetarisch

Pfannkuchen mit Topinambur, frittierten Kapern und Ricotta

Das Bild zeigt einen weißen Teller, darauf liegt ein Pfannkuchen mit einem Topping aus gebratenem Topinambur, frittierten Kapern, Ricottanocken und Rucola. Oberhalb des Tellers liegen vier Topinamburknollen, eine halbe Zitrone und etwas Rucola. Rechts neben dem Teller ein altmodisches Silberbesteck.

Der heikelste Punkt des Tages ist immer der Moment, in dem der beste Mann von allen unauffällig in die Küche schlendert und so ganz nebenbei fragt: „Was gibt‘s denn heute eigentlich zu Essen?“. Und ich sag mal, dass meine Antwort in ungefähr 60% aller Fälle ein „Aha“ auslöst. Das kann gut sein, muss aber nicht. Bestenfalls ist es neutral. In 30% aller Fälle löst sie ein „Oh toll, von mir aus können wir auch ganz bald essen…!“ aus. Das ist ziemlich gut. Und in 10% aller Fälle löst sie eine hochgezogene Augenbraue und ein gedehntes „Oh“ aus. So wie meine Antwort „Pfannkuchen mit Topinambur“. Ich beeilte mich, „Das habe ich letztes Jahr schon mal gemacht und Du mochtest das!“ hinterherzuschieben.

Dieser Nachsatz ist im Hause Odettekocht allerdings nicht ganz so blütenrein, wie er scheint. In der Zeit, in der die Kinder noch kleine Kinder waren und ihre mäkeligen Phasen hatten, hat es sich absolut bewährt, saisonal zu kochen. Nachdem ein halbes Jahr vergangen war, hatten sie gnädigerweise oft vergessen, dass sie ein Gemüse (es ging dabei natürlich immer nur um Gemüse, schon klar!) nicht mochten. Und wenn sie dann misstrauisch im Essen stocherten und fragten „Was ist das?“ gefolgt von „Mochte ich das?“, beeilten wir uns mit Unschuldsmine zu beteuern „Klar mochtest Du das, das ist super lecker!“. Okay, ich gebe zu, das hat nicht immer funktioniert, aber manchmal! (Falls die Kinder mitlesen, möchte ich mich an dieser Stelle für die miesen Tricks entschuldigen, *räusper*!)

Topinambur ist sicher nicht in jedem Supermarkt zu bekommen. Aber Du bekommst sie von Oktober bis März meistens im Bioladen oder bei einem gut sortierten Markthändler. Die kleinen knubbeligen Knollen können roh im Salat oder gegart in allen möglichen Varianten verzehrt werden. Die Schale ist ganz dünn und kann mitgegessen werden. Der Geschmack von Topinambur ist leicht nussig und etwas süßlich und erinnert ein bisschen an frische Artischockenböden (falls Du meine Artischocken schon zubereitet hast, weißt Du, wie die schmecken), weswegen man sie im Englischen „Jerusalem artichoke“ nennt. Bei diesem Gericht wird die süßliche Note der Topinambur ganz wunderbar durch Zitrone und Kapern ausbalanciert, das ist wirklich unglaublich lecker!

Als ich also dem Mann die Topinambur Pfannkuchen ankündigte – im Wissen, dass er Wurzelgemüse im Allgemeinen und Topinambur im Besonderen nicht schätzt – war ich aber tatsächlich sicher, dass er dieses Gericht mochte. Ich weiß, dass ich ihn so manches Mal kulinarisch an seine Grenzen (und darüber hinaus, wie er an dieser Stelle einwerfen würde) bringe. Aber wenn ein solches Experiment unverhofft erfolgreich ist, dann sagt der Mann den Satz, der höchstes Lob für neu eingeführte Gerichte bedeutet: „Das darfst Du gerne wieder machen!“. Und Du kannst sicher sein, dass ich mir das merke! Oft genug schreibe ich es ins Kochbuch, aus dem das Rezept stammt. Dieses Rezept, das auch Topinambur-Hasser bekehrt, ist übrigens von Anna Jones. Danke Anna!

Es gibt natürlich auch noch einen gesundheitlichen Bonus: Topinambur ist kalorienarm und enthält im Gegensatz zur Kartoffel keine Stärke. Dafür aber reichlich Inulin (nicht zu verwechseln mit Insulin), ein Ballaststoff, der dafür sorgt, dass die Knollen gut sättigen, ohne gleichzeitig den Blutzuckerspiegel (also den Insulinspiegel) anzuheben. Daher sind sie ein geradezu ideales Nahrungsmittel für Diabetiker. Vitamine, Mineralstoffe & Co sind natürlich ebenfalls enthalten.

Und jetzt kochen wir! Das original Rezept ist für 4 Personen und ich habe es für 2 Personen angepasst und leicht verändert. Aber ich backe tatsächlich immer alle vier Pfannkuchen für uns beide, von denen wir zwei sofort essen. Die anderen beiden kommen in den Kühlschrank und werden in den darauffolgenden Tagen mit z.B. einem Pilzragout oder einer anderen Füllung serviert. Man kann sie auch einfrieren und zu einem anderen Zeitpunkt verwenden. Ich finde diese Art, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, ziemlich praktisch!

Man nehme

  • 110 g Roggenmehl
  • 100 g Dinkelmehl
  • 1/2 TL Salz
  • 3 Bio Eier Größe L
  • 400 – 450 ml Wasser
  • Rapsöl oder ein anderes gut erhitzbares Pflanzenöl
  • ca. 4 Knollen Topinambur (je nach Größe ungefähr 300 g), gewaschen und abgebürstet
  • 2 Frühlingszwiebeln in Ringe geschnitten
  • 1 gehäufter EL Kapern, gut abgetropft und mit Küchenkrepp trocken getupft
  • 1 kleine unbehandelte Zitrone, die Schale abgerieben und eine Hälfte ausgepresst
  • 1 Becher Ricotta in guter Qualität
  • 1 Handvoll Rucola
  • Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle

So geht‘s

Für die Pfannkuchen vermische beide Mehle mit dem Salz. Rühre zuerst die Eier unter und gib dann nach und nach das Wasser zu. Nimm erstmal 400 ml, lasse den Teig 5 Minuten quellen und wenn er dann zu dick erscheint, rühre noch einen Schluck Wasser unter.

Während der Teig quillt, hobelst Du die Topinambur in feine Scheiben.

Erhitze das Öl in einer großen Pfanne und frittiere die Kapern ein paar Minuten. Lass sie anschließend auf Küchenkrepp abtropfen.

Brate die Topinamburscheiben in dem gleichen Öl goldbraun an, dabei kannst Du schon salzen. Gib dann die Frühlingszwiebeln zu (behalte ein paar grüne Ringe für die Deko zurück) und brate alles zusammen weitere 2-3 Minuten.

Füge die abgeriebene Zitronenschale und den ausgepressten Saft hinzu, schmecke mit Salz und Pfeffer ab und halte alles bei niedriger Temperatur warm.

Dann backst Du aus dem Teig in einer mittelgroßen Pfanne mit etwas Öl nacheinander 4 Pfannkuchen.

Zwei Pfannkuchen packst Du also gleich beiseite. Die anderen beiden kommen jeweils auf einen Teller. Verteile die Topinambur darauf, gebe ein paar Nocken Ricotta dazu, verteile die frittierten Kapern darüber und gib ein bisschen Rucola on top.

Lass es Dir schmecken!

Ach übrigens, nach den ersten vorsichtigen Gabeln sagte der beste Mann von allen: „Stimmt, ich mochte das. Das ist lecker, das kannst Du gerne wieder machen!“. Hurra!

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2 Comments

  • Claudia

    Im ersten Moment schockiert mich mal gleich, dass du satte VIER Pfannkuchen machst (dafür fange ich nicht mal an 🤣🤣🤣) und dann noch ZWEI für den nächstn Tag aufhebst??…. Lebt ihr noch oder esst ihr schon? Nicht wegen der/die/das Topinambur – denn MrRight ist allem mit Gemüse generell positiv aufgeschlossen, solange er es erkennen kann und nicht eigenartig riecht (wobei wir bei diesem Punkt sehr oft unterschiedlicher Meinung sind 🤣) , aber das „aha“ würd sich bei ihm auf die Kinderportion beziehen. Von ihm kommt dann meist sowas: „und wann kommt die Hauptspeise?“….
    Ich weiß wie Tobinambur aussieht, hab er erfolglos versucht, es heuer im Garten groß zu ziehen, aber hab auch noch nie versucht, es zu kaufen…. für zwei Pfannkuchen tu ich mir den Aufwand auch nicht an, da musste schon mit einem „größeren“ Gericht kommen 🤣

    • Odette

      Na ja, die Pfannkuchen sind schon ziemlich gehaltvoll, mit dem Roggenmehl… Aber wir essen vermutlich immer eher kleine Portionen. Dafür esse ich viel zu viel zwischendurch. 🙈 Und mit Topinambur kannst Du auch leckere Suppe machen. Und er schmeckt auch roh im Salat. Ich appelliere an Deinen Ehrgeiz – Du lässt Dich doch nicht von so‘ner blöden Pflanze kleinkriegen?! 🤨😁

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