Fisch und Meeresgetier,  Rezepte

Moules au Roquefort – Muscheln in Roquefort-Sahnesauce

Auf einem hellen Holztablett steht ein Kupfertop und ein weißer tiefer Teller gefüllt mit Moules au Roquefort - Muscheln in Roquefort-Sahnesauce. Darum herum dekoriert liegen eine weiße Stoffserviette, ein Bund Petersilie, zwei Schalotten und frisches Baguette.

Muscheln in Roquefort-Sahnesauce habe ich zum ersten Mal in Frankreich gegessen. Dass der beste Mann von allen und ich eine Leidenschaft für dieses Land und seine Küche hegen, habe ich vielleicht schon mal hier oder da erwähnt. Normalerweise zieht es uns ja – des verlässlich guten Wetters wegen – in die Provence. Aber manchmal eben auch in andere Regionen. So lieben wir zum Beispiel auch die Normandie, die sich sowohl landschaftlich als auch kulinarisch ganz anders darstellt. Die Normandie ist unter anderem bekannt für den Anbau von Äpfeln; ich sag nur Calvados. Mmmmhhh. Daher empfiehlt sich eine Reise dorthin entweder im Frühling, wenn die Apfelblülte in vollem Gang ist, oder im frühen Herbst, wenn die Bäume voller Äpfel hängen. Und einer unserer Lieblingsorte – Honfleur – liegt an der Küste. Klar, dass die Gegend dort ein Paradies für Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten ist.

Das Hafenbecken von Honfleur in der Normandie. Segelboote liegen im Wasser und rund um die Promenade schmiegen sich alte hohe Häuser mit bunten Sonnenschirmen und Markisen.
Honfleur. Unter bunten Schirmen schmiegt sich ein Restaurant an das nächste rund um das Hafenbecken.

Womit ich den Bogen ganz elegant zurück zu den Muscheln schlage. Hast Du gemerkt, ne? Aber vor den Genuss der Muscheln hat das Schicksal noch eine Geschichte gesetzt. Denn als wir vor einigen Jahren mit der Kuschelbude hintendran Richtung Honfleur fuhren, zickte – kurz hinter der Grenze zu Frankreich – das Auto plötzlich rum. Die Temperatur stieg bedrohlich in den roten Bereich und der Mann dachte sich, fahr ich mal runter von der Autobahn, dann muss ich nicht auf dem Standstreifen nach dem Problem suchen. Wir fuhren also die nächste Abfahrt runter und hielten in einer Art Haltebucht an einer Landstraße irgendwo in der normannischen Provinz in the middle of nowhere.

Unser kaputtes Auto steht mit offener Motorhaube am Straßenrand einer französischen Landstraße. Es ist Sommer und die Sonne schein.
Unser kaputtes Auto mit offener Motorhaube irgendwo Jottwede.

Der Mann machte also die Motorhaube auf, prüfte Wasserstand, Sicherungen und was-weiß-ich-noch-alles, während ich dekorativ am Straßenrand stand und zuguckte. Und plötzlich hielt ein ziemlich klappriger, etwas runtergekommener Kleinwagen mit einem dicken Mann am Steuer, der uns auf französisch fragte, ob er helfen könne und wo das Problem sei? Jetzt konnte ich mich nützlich machen, denn mein Französisch ist da doch etwas fundierter als das des Göttergatten. Wenn auch mein Pannen-Vokabular etwas zu wünschen übrig ließ… Der Mann bot dann jedenfalls an, mich mit in den nächsten Ort zu nehmen, dort sei eine Werkstatt, da könnte ja jemand mit rauskommen und sich den Wagen ansehen.

Nach einem kurzen Moment der Unsicherheit – in dem ich mich vergewaltigt in einem französischen Straßengraben sah – beschlossen wir, an das Gute im Menschen zu glauben und ich fuhr mit. Der beste Mann von allen machte aber vorsichtshalber ein Foto des Nummernschilds, als wir wegfuhren – was meinen Fahrer ziemlich amüsierte, als er es im Rückspiegel bemerkte. Er lieferte mich unversehrt in der Werkstatt ab, erklärte dem Mechaniker wortreich die Problematik und wir fuhren zu dritt wieder zurück zu Mann und Auto. Nach einem kurzen fachmännischen Check war klar, dass das Auto mit in die Werkstatt muss, weil ein Teil ausgewechselt werden musste.

Der freundliche Franzose fuhr zwischendurch kurz weg, kam aber wieder und blieb, bis die Reparatur im Laufe des Nachmittags erfolgreich durchgeführt war. Er geleitete uns noch bis zur Autobahn und wir trennten uns winkend. Was für nette Menschen es gibt!

Durch diese ungeplante Verzögerung kamen wir allerdings viel später als erwartet und ganz knapp vor Schließung der Rezeption auf unserem Campingplatz an. Wir stellten die Kuschelbude ab, kümmerten uns um die Basics (gerade ausrichten, Stromversorgung anschließen) und fielen ziemlich müde in das Campingplatz-Restaurant ein. Diese Campingplatz-Restaurants sind oft genug auf dem Niveau einer Pommesbude oder huldigen Convenience-Produkten. Nun, nicht so hier. Es gab Moules au Roquefort auf der Karte, Muscheln in Roquefort-Sahnesauce. Das war der Tag, an dem ich das zum allerersten Mal gegessen haben und an dem ich diesem Gericht verfallen bin.

Das Rezept ist für zwei Personen und zum Niederknien gut! Ich schwöre!

Man nehme

  • 1 kg frische Miesmuscheln, mehrmals gewässert und gesäubert, kaputte Exemplare aussortiert
  • 250 ml Weißwein für die Muscheln (+ 250 ml Weißwein für die Köchin)
  • 3 Schalotten, fein gewürfelt
  • 1 EL Butter
  • 125 g Roquefort
  • ca. 75 g Creme Fraiche
  • 1 kleine Handvoll glatte Petersilie, gehackt
  • Salz und schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • Baguette zum Servieren

So geht‘s

Wir beginnen mit der Sauce. Zerlasse die Butter in einem kleinen Topf und schwitze die Schalotten mit einer guten Prise Salz darin glasig an. Gib dann die Creme Fraiche und den etwas zerbröckelten Roquefort zu und lasse alles bei mittlerer Temperatur schmelzen. Du hast dann eine ziemlich dickflüssige Creme im Topf. Bei niedriger Temperatur warm halten.

Gib den Weißwein in einen (Muschel-) Topf und lasse ihn bei großer Hitze aufkochen. Gib die abgetropften Muscheln zu und lege sofort den Deckel auf. Die Muscheln öffnen sich innerhalb von 5 Minuten.

Gieße die Muscheln ab und fange etwas von dem Kochsud auf. Mit dem verlängerst Du die Sauce bis zur gewünschten Konsistenz. Ich mag‘s gerne cremig und gebe nicht so viel Sud zur Sauce. Mit frisch gemahlenem Pfeffer würzen und die Petersilie unterrühren.

Verteile die Muscheln auf zwei Tellern und schöpfe die Sauce darüber. Mit frischem Baguette servieren und genießen.

Lass es Dir schmecken!

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4 Comments

  • Claudia

    oh wie habe ich diese Geschichte geliebt 💛 denn sie erinnert mich – wenn auch ohne Panne – ein wenig an den Schneckenfarmbesitzer unserer letzten Reise, wo wir die Nacht verbrachten und ich nicht wusste, ob wir das überleben 😉 und du weißt, uns beide verbindet die Liebe zu Frankreich, deren kulinarischen Köstlichkeiten UND die Liebe zu Meeresgetier auf dem Teller (bis auf den Tintinger, den lass ich dir 😉)
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob du mir von diesem Rezept schon erzählt hast, ich es schon gegessen hab , oder ich es bei dir schon mal gesehen hab, aber es ist tatsächlich mal ein Rezept auf deinem Blog, das ich schon kenne 💛 und ich fühl mich endlich mal nicht so wie eine Landmaus, die außer ihrem Käse sonst nichts kennt 🤣

    • Odette

      Wir haben tatsächlich schon über dieses Muschelgericht gesprochen. Ich glaube, Du hast es in Eurem letzten Frankreich-Urlaub gegessen und ich hab‘s auf IG gesehen und kommentiert. Schön, dass wir die Liebe zu Frankreich teilen! 🥰 Das mit der Schneckenfarm ist wohl irgendwie an mir vorbeigegangen, zumindest erinnere ich mich gerade nicht, aber vielleicht erzählst Du die ja noch(mal) auf Deinem Blog!

  • Katja

    Was für eine Aufregung! Und was für eine tolle Belohnung am Abend im Restaurant. Ich glaube, ich wäre nicht so mutig in das fremde Auto gestiegen…Uns ist vor gut drei Jahren auf dem Weg in den Urlaub mal der Auspuff abgefallen – und das, obwohl der Wagen zwei Wochen vorher beim TÜV war… Naja, es war in Deutschland und wir wurden dann vom ADAC abgeschleppt, braucht man aber echt nicht.
    Hast Du denn dein Pannen-Vokabular erweitern können?

    • Odette

      Man entscheidet solche Dinge ja in Sekundenbruchteilen und verlässt sich auf sein (wenn auch manchmal etwas mulmiges) Bauchgefühl. Auf der Autobahn hätten wir vermutlich auch den ADAC angerufen. Aber da auf der Landstraße dachten wir, dass wir das bestimmt auch so regeln können. Hat ja auch geklappt… 😅 Mein Pannenvokabular ist auf Abruf bei einer Übersetzungs-App. Sehr praktisch! 😂

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